Evangelische Kirchenmusik in Württemberg

Evangelische Kirchenmusik in Württemberg


Haydn: Schöpfung - Werkeinführungen, Lexikon, Glossar, Erklärungen, Erläuterungen von Begriffen

Haydn: Schöpfung - Werkeinführungen, Lexikon, Glossar, Erklärungen, Erläuterungen von Begriffen

Aus- und Fortbildung

Freizeiten

Noten und Bücher

Angebote

Zeitschrift

Wir fördern

Werkeinführungen


Druckansicht Druckansicht

Werkeinführungen



Diese Seite ist im Aufbau!
Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker stellen hier Konzerteinführungen aus ihren Programmheften zur Verfügung.
Wer sich mit eigenen Beiträgen beteiligen möchte ist gebeten, diese per Mail an den Verband zu schicken.
 
 
Kirchenmusik
 
Zur Einführung
Die Enstehungsgeschichte der „Schöpfung“ beginnt im Jahre 1795, als der 63- jährige Haydn von seiner zweiten Londoner Reise nach Wien zurückgekehrt ist. Im Handgepäck hatte er ein englisch verfaßtes Textbuch mit, das eigentlich für Händel verfaßt worden war, dieser aber nicht verwendete. Der unbekannte Autor hatte zum Thema „Schöpfung“ biblische Texte (Genesis, Psalm 19, 104 und 93) und Auszüge aus dem berühmten Epos „Paradise Lost“ des englischen Dichters John Milton zusammengestellt. Der englischen Sprache nicht genügend mächtig, ging Haydn mit diesem Textbuch zu dem Wiener Baron Gottfried van Swieten. Dieser höchst angesehene Baron war österreichischer Diplomat, Weltmann, Präfekt der kaiserlichen Hofbibliothek, Dichter, Komponist und begeisterter Liebhaber und Förderer der Musik, insbesondere von Bach und Händel, ja er war so etwas wie ein „Wiener Musikpapst“. Van Swieten übersetzte das Textbuch und arbeitete es für Haydn nach musikalischen Gesichtspunkten um, fügte sogar Vorschläge für die Komposition hinzu, die Haydn in einer ganzen Reihe von Fällen befolgte.
Man muß dazu sagen, daß Haydn bereits 1791 anläßlich der Händelfestspiele in Westminster Abbey den „Messias“ und „Israel in Ägypten“ mit 1000 Choristen gehört hatte und im Innersten seiner Seele gerührt war, aber unter Tränen zugeben mußte: Er (Händel) ist der Meister von uns allen. Vielleicht war dieses Erlebnis trotzdem so etwas wie eine Initialzündung für seine „Schöpfung“.
Haydn ging mit großem Feuereifer ans Werk. Die Arbeit ist ihm jedoch nicht leicht gefallen, um jede Note hat er gerungen. Er, der sonst mit unglaublicher Sicherheit komponierte, legte jetzt ein Skizzenbuch nach dem andern an, schrieb Themen auf, verwarf und verbesserte sie und vollendete das Werk erst nach dreijähriger Arbeit. „Ich war nie so fromm als während der Zeit, da ich die Schöpfung schrieb, täglich fiel ich auf die Knie nieder und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen würde“.
Die Uraufführung fand am 29. und 30. April 1798 im Palais des Fürsten Schwarzenberg in Wien statt und war ein Triumph ohnegleichen. Der Andrang des Publikums war außerordentlich, obwohl nur geladene Gäste zugelassen waren. Tausende fanden keinen Einlaß und drängten sich auf dem Wiener Mehlmarkt. Haydn dirigierte selbst und Salieri saß am Flügel. Die Begeisterung des Publikums war unbeschreiblich. Gottfried van Swieten sorgte dafür, daß Haydn ein Komponistenhonorar von 500 Dukaten bekam, finanziert von zwölf adeligen Herren.
Nachdem die ersten Aufführungen noch vor ausgewählten Gästen der Wiener Adelsgesellschaft stattfanden erlebte die Wiener Öffentlichkeit am 19. Januar und 19. März im Wiener Burgtheater „ihre Aufführung“. Auf dem Plakat stand beim Namen Haydns zu lesen: „Doktor der Tonkunst und hochfürstlich- Esterhazyscher Kapellmeister“. Von da an war der Siegeszug der Schöpfung nicht mehr aufzuhalten. Ihr zuliebe wurden Chorvereine und Musikgesellschaften gegründet. „O, kommen Sie zu uns, kommen Sie! Sie sollen wie ein Gott unter Menschen empfangen werden; wir wollen Ihnen ein Gloria singen, daß Ihr graues Haar sich erheben, und zum Lorbeer werden soll...“ so lautet die Einladung nach Berlin!

Formaler Gesamtaufbau
Das Libretto ist dreiteilig angelegt. Die beiden ersten Teile folgen dem biblischen Schöpfungsbericht von der Erschaffung von Himmel und Erde, Wasser und Land, Pflanzen und Gestirnen (erster Teil) und der Erschaffung von Tier und Mensch (zweiter Teil), wobei die Tiere nach Fischen, Vögeln und Landtieren unterschieden werden.
Die drei Erzengel haben die Funktion des „Historicus“, also die Erzählerrolle.
Der dritte, nur auf Zitate aus Miltons Dichtung fußende Teil führt die paradiesische Idylle des ersten Menschenpaares vor. Adam und Eva versichern sich gegenseitig ihre Liebe, reflektieren ihren Platz in der Schöpfung, bewundern dieselbe und erkennen lobpreisend ihren Erschaffer. Für das Rühmen und Loben sind die „Himmelsbürger“ chorisch zuständig.
Inhaltlich verschmelzen die festlich angelegten Chöre auch teilweise mit den Berichten der Solisten.
Der Riesenstoff der „Schöpfung“ konnte musikalisch nur auf knappstem Raum ausgebreitet werden und trotzdem mußte die Musik die innere Größe des Stoffes widerspiegeln. Und da zeigt sich die wahre Meisterschaft von Joseph Haydn, dem es gelang, ein dramatisches Werk voller Handlung und Spannung zu schaffen. Auch mußte er der Versuchung widerstehen, sechs gleich lange Schöpfungstage zu komponieren. Dies hätte unweigerlich den Spannungsverlauf des Werkes schematisiert und zerstört.

Zur musikalischen Sprache
Soli und Chöre erscheinen in einer natürlich wirkenden Ungezwungenheit, mal abwechselnd, mal sich ineinander verflechtend. Die Schönheit und Sachlichkeit der musikalischen Sprache, ohne pathetisch wirkende Tonmalereien sind Haydns ureigenste Handschrift. Man muß allerdings unterscheiden zwischen einer musikalischen Symbolsprache, die sich ganz unterschiedlicher Mittel bedient (denken Sie nur an die Orchestereinleitung: „Die Vorstellung des Chaos“), und einer eher vordergründig zu nennenden Tonmalerei, (z. B. die Umsetzung von Naturlauten und Naturereignissen). So umspannt er in seinem Werk den ganzen Kosmos, und dennoch malt er auch die kleinen Dinge: das Murmeln des Baches, die Lieblichkeit der Pflanzen, die Bewegung der Tiere. Das tonmalerische Nachahmungsprinzip ist am auffälligsten im Rezitativ Nr. 22 beim „Brüllen des Löwen“, welches durch Streicher und Kontrafagott mit zwei tiefen Trillern imitiert wird. Das ganze Rezitativ ist eine Fundgrube an Tonmalereien: auch das Emporschießen des Tigers, der schnelle Hirsch sowie das Galoppieren des Rosses werden in der Musik dargestellt. Für die weidenden Rinder- und Schafherden steht eine pastorale Flötenmelodie, die durch ein Streicherpizzicato begleitet wird. Bei den Streichertremolie assoziiert der Zuhörer einen Insektenschwarm, mit dem sich nach unten windenden Streicherlinien kriechendes Gewürm.
Der Gesang der Vögel wird durch Triller, Vorschläge und Verzierungen dargestellt, doch verwendet Haydn keine speziellen Vogelrufmotive wie die Kuckucksterz. Auch Regen, Wolken, Blitz und Donner werden in Töne gemalt.
In der Art wie er Himmlisches und Irdisches schildert zeigt sich Haydns große Meisterschaft, auch wenn bei den lobpreisenden Schlußchören die Prägung durch Händel unverkennbar ist.
„Die Schöpfung ist ein musikalisches Bilderbuch für groß und klein, in dem die Entstehung der Welt, der Gestirne und Gezeiten, Pflanzen und Tiere, aber auch die Würde des Menschen im Paradies in einer Art geschildert wird, wie sie kein zweites Mal in dieser Weise mehr möglich ist“ so schreibt Leopold Nowak in seiner grundlegenden Haydn- Biographie.

Zur Verwendung der Tonarten
Haydn setzt bestimmte Tonarten ganz bewußt ein und manche Tonarten ergeben sich auch aus der Instrumentation, wenn Haydn Trompeten in D, Hörner in Es und Klarinetten in B verwendet.
C-moll ist die Tonart der Vorstellung des Chaos, die berühmte Stelle der Lichterschaffung steht in C- Dur, und diese Tonart erscheint auch wieder im Schlußchor des ersten Teiles, womit ein Bezug zum Anfang hergestellt wird. D-Dur gilt als „himmlische“ Tonart, z.B. beim Chor wie „Stimmt an die Saiten“ oder bei der Baßarie „Nun scheint in vollem Glanze der Himmel“.
Nur ein einziges Mal taucht Es-Dur auf. Das ist die Tonart der Liebe (Liebesduett „holde Gattin - teurer Gatte“).
B-Dur taucht immer an Stellen auf, wo die Vollendung und das Gotteslob im Vordergrund stehen. Die Schlußchöre des zweiten und dritten Teiles stehen in dieser Tonart.
Ein weiteres kompositorisches Mittel besteht in der Gegenüberstellung von weit auseinanderliegend Tonarten: c-moll bei Verzweiflung,Wut und Schrecken und A-Dur bei „Und eine neue Welt entspringt“.
Johannes Vöhringer

 
 

Nach obenNach oben



Der Verband

Mitgliedschaft

Gute Links

Impressum










designed by Team E

© Copyright 2004 by
    Evang. Kirchenmusik in Württemberg

created by symweb
Im Auftrag der

Evang. Landeskirche in Württemberg