Evangelische Kirchenmusik in Württemberg

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Bach, J.S.: zur Biographie, 1. Teil - Werkeinführungen, Lexikon, Glossar, Erklärungen, Erläuterungen von Begriffen

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Wer sich mit eigenen Beiträgen beteiligen möchte ist gebeten, diese per Mail an den Verband zu schicken.
 
 
Kirchenmusik
 
Zur Biographie J.S.Bachs:

1.Teil:
„Was das Choral Spielen betrifft, so bin ich von meinem annoch lebenden Lehrmeister, dem Herren Capellmeister Bach so unterrichtet worden: daß ich die Lieder nicht nur so oben hin, sondern nach dem Affect der Wortte spiele“ schrieb der Bach-Schüler Johann Georg Ziegler 1746. Diese Art des Choralspiels hatte Johann Sebastian Bach spätestens bei seinem Aufenthalt 1705/06 bei Dietrich Buxtehude, dem weithin berühmten Organisten an der Ratskirche St.Marien zu Lübeck, kennengelernt. Die Anfangsgründe im Orgelspiel hatte er wohl bei seinem Onkel, Johann Christoph Bach, dem Organisten an St.Georg zu Eisenach erlernt. In der Lutherstadt Eisenach war J.S.Bach am 21.März 1685 geboren worden, wo sein Vater, Johann Ambrosius seit 1671 als Leiter des Stadtpfeifer-Kollegiums wirkte. Bei ihm wird Johann Sebastian die Anfänge des Violinspiels erlernt haben. Nach dem Tod beider Eltern kam Bach 1695 nach Ohrdruf zu seinem ältesten Bruder Johann Christoph, einem Schüler von Johann Pachelbel in Erfurt. Hier perfektionierte er seine Fertigkeiten im Cembalo- und Orgelspiel. Noch im Nachruf, den 1754 u.a. Bachs zweiter Sohn, Carl Philipp Emanuel verfasste, wird die Begebenheit berichtet, nach der sich der junge Johann Sebastian aus einem vom Bruder verweigerten Notenheft allerlei begehrte Kompositionen bei Mondenschein abschrieb. Nach sechsmonatiger Arbeit „suchte er sie sich, insgeheim mit ausnehmender Begierde, zu Nutzen zu machen, als sein Bruder dessen inne wurde, und ihm seine mit so viel Mühe verfertigte Abschrift, ohne Barmherzigkeit, wegnahm.“ Von 1693-95 hatte Bach die Lateinschule in Eisenach besucht, deren Klassenstärke zeitweise bei 80 Schülern lag. Bis 1700 besuchte er sodann die Lateinschule in Ohrdruf, die er als Zweitbester der Abschlußklasse verließ. Zu den Fächern zählte u.a. Musik mit 4-5 Stunden je Woche. Der Wochenablauf in der Schule war zudem vom Katechismus geprägt: in jeder Morgen- und Abendandacht kam je eines der Hauptstücke des Katechismus vor.
Im März 1700 erhielt Bach zusammen mit seinem Jugendfreund Georg Erdmann einen Freiplatz in der Michaelisschule in Lüneburg. An der dortigen Johanniskirche wirkte mit Georg Böhm einer der bedeutendsten Organisten seiner Zeit. Ferner besuchte Bach Johann Adam Reincken, Organist an St.Katharinen und einer der Hauptvertreter des norddeutschen Orgelstils. Auch Besuche am Hof zu Celle mit seiner von französischem Geschmack geprägten Hofmusik sind belegt. Nach einer vergeblichen Bewerbung um die Organistenstelle an St.Jakobi zu Sangershausen und einer dreimonatigen Anstellung am Hof zu Weimar (als Violinist ?) wird Bach Organist in Arnstadt. Bachs Ruf als Organist war wohl schon so bedeutend, daß er im Juli 1703 zur Prüfung der neuerbauten Orgel der Neuen Kirche zu Arnstadt eingeladen wurde. Sein Orgelspiel war so überzeugend, daß man ihm die Organistenstelle an dieser Kirche antrug.
Von Arnstadt aus wanderte Bach nach Lübeck zu Dietrich Buxtehude und dehnte hierfür seinen Urlaub von vier Wochen auf vier Monate aus. Seine neuen (Er-)Kenntnisse und Fertigkeiten im Orgelspiel scheint er direkt in Arnstadt angewandt zu haben, denn er wird am 21.2.1706 vor das Konsistorium in Arnstadt zitiert, das ihm neben seiner Urlaubsüberschreitung sein verändertes Orgelspiel vorhält: „Halten ihm vor, daß er bißher in dem Choral viele wunderliche variationes gemachet, viele frembde Thone mit eingemischet, daß die Gemeinde drüber confundiret (verwirrt) worden“. Aber gerade diese Art des Choralspiels, die den sensus (Sinn) eines Wortes oder den Gehalt einer ganzen Strophe in Musik „übersetzt“, wird geradezu das Kenn-zeichen Bachscher Musik (s.o. Zitat). Und diese theologisch fundierte Art zu komponieren und den vertonten Text zu kommentieren findet sich nicht nur bei choralgebunderener Orgelmusik - hier ist das Weimarer ‘Orgelbüchlein’ geradezu ein „Wörterbuch der Tonsprache Bachs“ (A.Schweitzer) - sondern bei nahezu allen textgebundenen Werken, von seinen Kantaten bis zu den Passions- und Messvertonungen.

21.März 1685 geboren in Eisenach
ab Frühjahr 1695 in Ohrdruf bei ältestem Bruder Johann Christoph
ab März 1700 Schüler an der Michaelisschule in Lüneburg
ab 9.August 1703 Organist an der Neuen Kirche zu Arnstadt
ab 15.Juni 1707 Organist an St.Blasius in Mühlhausen
17.Oktober 1707 Heirat mit Maria Barbara Bach, einer Cousine 2.Grades
ab Juni 1708 Organist und Kammermusiker der Herzöge zu Weimar
22.November 1710 Geburt des 1.Sohnes Wilhelm Friedemann
2.März 1714 Ernennung zum Konzertmeister in Weimar
8.März 1714 Geburt des 2.Sohnes, Carl Philipp Emanuel
5.August 1717 Ernennung zum Hofkapellmeister in Köthen
(Antritt erst im Dezember 1717)
Anfang Juli 1720 stirbt Bachs 1.Frau
3.Dezember 1721 Heirat mit Anna Magdalena, Kammersängerin und Tochter des
Weißenfelsischen Hoftrompeters Wilcke
im Dezember 1722 Bewerbung um das Thomaskantorat in Leipzig
im Mai 1723 Amtsantritt in Leipzig
28.Juli 1750 Tod Bachs
Ingo Bredenbach
 
 

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