Evangelische Kirchenmusik in Württemberg

Evangelische Kirchenmusik in Württemberg


Bach, J. S.: zur Biographie 2. Teil - Werkeinführungen, Lexikon, Glossar, Erklärungen, Erläuterungen von Begriffen

Bach, J. S.: zur Biographie 2. Teil - Werkeinführungen, Lexikon, Glossar, Erklärungen, Erläuterungen von Begriffen

Aus- und Fortbildung

Freizeiten

Noten und Bücher

Angebote

Zeitschrift

Wir fördern

Werkeinführungen


Druckansicht Druckansicht

Werkeinführungen



Diese Seite ist im Aufbau!
Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker stellen hier Konzerteinführungen aus ihren Programmheften zur Verfügung.
Wer sich mit eigenen Beiträgen beteiligen möchte ist gebeten, diese per Mail an den Verband zu schicken.
 
 
Kirchenmusik
 
2.Teil:
Seine ersten Kantaten schrieb Bach dann wohl als Organist an St.Blasius in der freien Reichsstadt Mühlhausen. Eigentlich war dies eher Aufgabe des Kantors, der zugleich an der Lateinschule zu unterrichten und mit dem Schülerchor regelmäßig im Gottesdienst zu singen hatte. Aber in Mühlhausen hatte der Organist, ähnlich wie in den nordeutschen Hansestädten eine stärkere Stellung als der Kantor. Und In Lübeck hatte Bach bei Buxtehude dies bereits bestens kennengelernt. Denn dort war Buxtehude für seine „Organistenmusik“ mit eigenen Instrumental- und Vokalsolisten berühmt. Während die Schülerchöre mit ihrem Kantor eher ältere Motetten und Choräle zu singen pflegten, komponierte ein avancierter Organist wie Buxtehude (oder eben Johann Sebastian Bach) zeitgenössische und moderne Musik z.B. in Form von Kantaten. Der Organist besaß ein höheres gesellschaftliches Ansehen als der Kantor, allerdings noch übertroffen vom Kapellmeister.
Noch 1730 schrieb Bach schrieb Bach an seinen Jugendfreund, Georg Erdmann: „ Ob es mir nun zwar anfänglich gar nicht anständig seyn wollte, aus einem Capellmeister (in Köthen) ein Cantor (in Leipzig) zu werden ...“ Bach unterschrieb dort auch stets mit „Directore Chori Musici“, womit deutlich werden sollte, daß er für das gesamte musikalische Leben Leipzigs verantwortlich war. Und 1733 suchte er beim Hof in Dresden um einen Titel nach und konnte sich ab 1736 „Königlich Polnischer und Churfürstlich Sächsischer Hof-Compositeur“ nennen. Auf den Titelblättern seiner ab 1726 gedruckten Cembalo-Partiten nannte er sich zudem immer noch „Hochfürstlich Anhalt-Cöthenischen würcklicher Capellmeister“. Bach scheint diese Titel zur Stärkung seiner Stellung in den Streitigkeiten mit seinen Vorgesetzten benötigt zu haben. Denn Bach war ein unbequemer, oft wohl auch sturer Untergebener. So gab es in Leipzig immer wieder Dispute um die Amtsführung bis hin zu dem Streit mit dem Rektor der dortigen Thomasschule um die Bestellung der Präfekten, also der Stimmführer in den Chören. Seinerzeit war es beim Stellenwechsel von Weimar nach Köthen es sogar zu einer Gefängnisstrafe für Bach gekommen. In einer Weimarer Aktennotiz vom 2.12.1717 heißt es: „ eodem den 6.Nov., ist der bisherige Concert-Meister und Hof-Organist, Bach, wegen seiner Halßstarrigen Bezeügung und zu erzwingenden dimission, auf der LandRichter-Stube arretiret, und endlich den 2.Dec. darauf, mit angezeigter Ungnade, Ihm die dimission durch den HofSecretär angedeütet, und zugleich des arrestes befreyet worden.“ Dabei hatte es am Hofe in Weimar so erfreulich angefangen: er empfand seine neue Stellung als Kammermusiker und Hoforganist in der Residenzstadt Weimar - bei verbessertem Gehalt gegenüber Mühlhausen - als Aufstieg. Im kollegialen Miteinander mit seinem Vetter Johann Gottfried Walther, seit 1707 Organist der Stadtkirche Weimar, beschäftigten sich beide mit Kompositionstechniken und der neuesten italienischen Musik, indem sie allerlei Concerti für Orgel oder Cembalo übertrugen. Mit der Ernennung zum Konzert-Meister 1714 - eine eigens für Bach geschaffene Stelle - rückte er von einer der letzten Stellen in der Hierachie der Hofkapelle an deren dritte. Mit dieser Ernennung war die Verpflichtung verbunden, einmal monatlich eine Kantate für den Gottesdienst zu schreiben. Bach hatte wohl auch damit gerechnet, Kapellmeister in Weimar zu werden, wurde aber durch den Herzog beim Tode des bisherigen Kapellmeister, Johann Samuel Drese übergangen. Seine Zeit als Kapellmeister (!) in Köthen hat Bach als seine glücklichste bezeichnet. Hier traf er auf einen kunst-verständigen Fürsten, der selber als Gambist musizierte. Als der Fürst 1721 heiratete, verschlechterte sich wohl Bachs Verhältnis zu ihm, denn die neue Fürstin hatte kein Interesse an Musik (Bach Originalton: „... die neue Fürstin schiene eine amusa zu seyn“).
Im reformierten Köthen entstanden fast keine Kantaten, umso mehr bestand dazu Gelengenheit in Leipzig, wo Bach allsonntäglich eine Kantate zu musizieren hatte. Bach nutzte eifrig diese Verpflichtung und komponierte wohl 5 Jahrgänge von Kantaten, also ca. 250 Werke, von denen ein Teil verlorengegangen ist.
Woche für Woche war also eine Kantate zu komponieren, nachdem man den Text ausgewählt und evtl.bearbeitet hatte. Die Stimmen für die Vokalisten und Instrumentalisten waren Woche für Woche (oft mit Hilfe seiner zweiten Frau, Anna Magdalena oder einiger Schüler) abzuschreiben und mit Chor und Orchester einzustudieren. Die Aufführungsbedingungen waren zum Teil miserabel, auch weil Bach mit seinen Choristen vier Kirchen in Leipzig musikalisch zu versorgen hatte. In seiner Denkschrift von 1730 an den Rat der Stadt schrieb Bach, er habe „ summa 17 zu gebrauchende, 20 noch nicht zu gebrauchende und 17 untüchtige“ Sänger zur Verfügung. Eine regelmäßige und qualitativ hochstehende Kirchenmusik war häufig - auch im Orchester - nur möglich, weil Leipziger Studenten und einige Schüler und Söhne Bachs mitwirkten. Hier übernahm Bach von 1729-37 die Leitung des „collegium musicum“, einem bereits 1701 von Georg Philipp Telemann gegründeten Studentenorchester, mit dem Bach freitags (zur Messezeit auch mittwochs) im Zimmermannschen Caffeehause öffentlich musizierte. Das letzte Lebensjahrzehnt Bachs läßt sich unter den Stichworten „Sammeln - Verbessern - Bewahren“ sehen. In diese Zeit fallen u.a. die Vollendung der h-moll-Messe, die Arbeit an der „Kunst der Fuge“, der 2.Teil des „Wohltemperierten Claviers“ und das „Musicalische Opfer“, ein Reflex Bachs auf seinen Besuch beim Preußenkönig Friedrich II, bei dem Bachs zweiter Sohn Hofcembalist war. Bach war auf Lebenszeit zum Thomaskantor gewählt worden, aber bereits 1749, also noch zu Lebzeiten Bachs, ließ der Rat der Stadt Leipzig im Juni einen möglichen Kandidaten seine Kantoratsprobe ablegen: ein heute unbegreiflicher Affront Bach gegenüber. Seine Witwe, Anna Magdalena starb 1760 verarmt in Leipzig. Ein Teil der insgesamt 20 Kinder aus zwei Ehen übernahm z.T. prominente Stellen, allen voran Carl Philipp Emanuel Bach, der 1768 Nachfolger Telemanns als Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen wurde.
Ingo Bredenbach
 
 

Nach obenNach oben



Der Verband

Mitgliedschaft

Gute Links

Impressum










designed by Team E

© Copyright 2004 by
    Evang. Kirchenmusik in Württemberg

created by symweb
Im Auftrag der

Evang. Landeskirche in Württemberg