Noten und Bücher: Rezensionen
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Chornoten
Mozart: Ave verum
Orgelnoten
Musik zu Kasualien. Heft 3
Neue Töne. Begleitbuch für neue Lieder



Letzte Aktualisierung: 06.09.07
Mozart, Wolfgang Amadeus: Ave verum, Mozart für Kirchenchöre, hrsg. von Lothar Friedrich und Johann Rüppel. – München: Strube, 2006 – 60 S. – € 6,00, ab 20 Expl. € 5,00 – VS 6322
Rezension von Michael B. Bender, Württ. Blätter für Kirchenmusik 2/2006
Seien wir ehrlich: Viele von uns Protestanten haben noch Berührungsängste, wenn es um die Kirchenmusik der Klassik, vornehmlich um Haydn oder Mozart geht. Manch einen, der mit Bach und seinen barocken Vorgängern musikalisch sozialisiert wurde, berührt unangenehm, wenn die liturgisch bzw. theologisch gewichtigen Texte mit dem musikalisch leichtfüßigen Zungenschlag eines Teenagers namens Mozart versehen werden (und gerade die Kirchenwerke des jungen Mozart eignen sich für unsere Chöre besonders). Gleichwohl ist uns bewusst, dass wir dabei nicht die Musik eines Nobodys, sondern die eines ganz Großen vor uns haben, was die Sache aber nicht einfacher macht. Hinzu kommt, dass wir die Musik als katholisch empfinden, nur weil der Text lateinisch ist oder gar, weil die Komponisten katholisch waren. Und in der Tat: Möglicherweise haben uns die Katholiken gerade deshalb etwas voraus: den unbelasteten Zugang zur Kirchenmusik der Klassik. Doch das kann man lernen. Aber man muss dafür trainieren, und hierfür stellen die Verlage Strube und Carus umfangreich hervorragend geeignetes Material zur Verfügung.
(1) Der Strube-Verlag konzentriert sich dabei ausschließlich auf Werke Wolfgang Amadeus Mozarts. „Ave verum“ ist die erweiterte Neuauflage des 1991 erschienenen Bandes „Mozart für Kirchenchöre“ (VS 1240). Warum sollte sich dann ein Chor diese Ausgabe überhaupt anschaffen? Nun, die Erweiterung ist reichlich. Aus vormals 43 Seiten wurden nun 60, dabei sind einige Stücke, die sich nicht bewährt hatten, nicht mehr vertreten: vornehmlich die weltlichen Kanons und das Lied „Abendruhe“. Bedeutender ist der Zugewinn, der einhergeht mit der neu ausgerichteten Grundkonzeption: Den Möglichkeiten, die die erneuerte Agende bei der Gestaltung unserer Gottesdienste einräumt, ist Rechnung getragen durch eine große Zahl an Messkompositionen. Aus den Messen Mozarts hat man diejenigen Sätze, die für einen Kirchenchor erreichbar erscheinen, ausgewählt, hat sie für Chor ohne Solisten, aber mit Tasteninstrumentbegleitung eingerichtet. So kamen neu hinzu ein Sanctus, ein Hosanna und zwei „Dona nobis pacem“, ferner natürlich das „Ave verum“, und schließlich der für Orgel und Männerstimmen bearbeitete Choral „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ aus der Zauberflöte. (Anmerkung aus meiner eigenen Praxis: Bei geschickter Registrierung können auch die Frauenstimmen mitsingen.) Die geistlichen Kanons, die beiden dreistimmigen Kanzonetten „Herr Gott, dich loben wir“ und „Vater, hör unser Flehen“, das Miserere KV 85 (in je einer Fassung für SAM/deutsch und ATB (lateinisch) und die Bearbeitung des berühmten „Laudate Dominum“ aus den Vesperae KV 339 sind aus der ersten Auflage übernommen worden. Der Schwierigkeitsgrad ist in jedem Stück für jeden Kirchenchor erreichbar, viele Tasteninstrument-Begleitungen sind selbst ohne C-Prüfung zu bewältigen. Und das sei noch einmal hervorgehoben: Alle in diesem Band subsummierten Werke sind auch im evangelischen Gottesdienst verwendbar.

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Musik zu Kasualien. Heft 3. Geistliche Musik für Singstimme, Soloinstrument und Orgel. – Stuttgart: Carus, 2004. - 128 S. – € 29,80. – Verbandspreis € 22,50. – CV 2.078
Rezension von Ingo Bredenbach, Tübingen. (Württ. Blätter für Kirchenmusik 2/2004)
Seit langem erwartet wurde die Fortsetzung der so wohlgelungenen und wichtigen Reihe „Musik zu Kasualien“, ein ökumenisches Projekt des „Verbandes Ev. Kirchenmusik in Württemberg“ und des „Diözesanverbandes der Kirchenmusiker der Diözese Rottenburg-Stuttgart“. Heft 1 (Musik für Singstimme und Orgel) erschien 1996 und wird, so denke ich, nicht nur von mir reichlich in der Kinderchorarbeit verwendet, Heft 2 (Choralbearbeitungen für Singstimme und Orgel) erschien dann 1999.
Heft 3 ist deutlich umfangreicher ausgefallen und legt bei insgesamt 37 Stücken löblicherweise einen deutlichen Schwerpunkt auf das 21. Jahrhundert, das mit
17 Kompositionen u. a. von R. Schweizer,
H.-P. Braun, J. M. Michel, M. Schütz,
W. Sanders und W. Rehfeldt vertreten ist. Die anderen Epochen vom 17. – 20. Jahrhundert sind mit je vier bis sieben Werken vertreten. Manche der Stücke der vergangenen Jahrhunderte stellen Bearbeitungen z. T. mit alternativen Neutextierungen dar, die sich im Zusammenspiel von Musik und Text noch zu bewähren haben. Unter den Kompositionen des 21. Jahrhunderts finden sich auch einige mit ausgewählten Zwischentexten unseres Gesangbuchs!
Die Breite dieser empfehlenswerten Veröffentlichung bezieht sich aber nicht nur auf die vertretenen Epochen, sondern auch auf den Schwierigkeitsgrad. Sehr häufig ist der Orgelpart manualiter ausführbar, es gibt aber auch durchaus spieltechnisch anspruchsvollere pedaliter-Stücke. Und es gibt manches Neue aus früheren Jahrhunderten zu entdecken: so eine Arie aus dem Bachschen Umfeld, ein Geistliches Konzert „Ich will den Herren loben allezeit“ von Johann Nikolaus Hanff oder die klangschönen Kompositionen von Arnold Mendelssohn, César Franck („Panis angelicus“ mit deutschem Zweittext „Herr, vor dir knien wir“, das wohl besser in der originalen Besetzung mit Violoncello als in der ebenfalls vorgeschlagenen mit Trompete aufgeführt wird) oder die Vertonung des „Herr, schicke was du willt“ von Heinrich von Herzogenberg, die nicht nur im Mörike-Jahr 2004 Beachtung verdient.
Es gibt ein ausführliches biographisches Register der Komponisten (leider fehlt ein ebensolches zu den Textautoren) sowie ein Verzeichnis, das u. a. die Art der Besetzung und die Verwendungsmöglichkeiten ausweist. Leider sind nicht bei allen Stücken genaue Quellenangaben vermerkt, sonst wäre evtl. auch aufgefallen, dass es sich bei Nr. 1 „Alleluja“ nicht um ein Stück von G. F. Händel, sondern um den Schlussteil der Solokantate „Also hat Gott die Welt geliebet“ von D. Buxtehude handelt.
Aber dies sind letztlich Marginalien angesichts der Fülle an guter alter und neuer Musik zu Kasualien. Vielleicht könnte der Verlag bei allen drei Heften auch noch die Herausgabe einer separaten Singstimme in Erwägung ziehen, um diese Hefte auch in der (Kinder-) Chorarbeit einsetzen zu können, ohne immer die umfangreichen Partituren in Chorstärke anschaffen zu müssen. Sehr zu empfehlen!
Ingo Bredenbach

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Kury, Ingomar, und Nagel, Matthias: Neue Töne.
Begleitbuch für neue geistliche Lieder im Evangelischen Gesangbuch für Orgel / Klavier / Keyboard. - Hrsg. im Auftrag des Verbandes Evang. Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Deutschland. – Berlin; München: Strube, 2004. - 384 S. – € 89,00, Strube Ed. 3223.
Rezension von Stefan Lust, Münsingen (Württ. Blätter für Kirchenmusik 2/2004)
Orgelspielende im Nebenamt sind immer auf der Suche nach brauchbarer Literatur für Intonation und Begleitung der Gemeindelieder. Dies gilt vor allem auch für die Begleitung des neuen Liedguts im Evangelischen Gesangbuch. Bei der Begleitung dieser Lieder stehen Orgelspielende immer wieder vor der Frage, wie man stilistisch ansprechend begleitet, wie eine Intro gestaltet oder in welchen Stil ein Lied eingeordnet wird. Manch schönes Lied wird in den Gottesdiensten nicht gesungen, weil es an den nötigen stilistischen Kenntnissen fehlt. Das Begleitbuch NEUE TÖNE gibt nun hierbei eine gute Hilfestellung und bietet zu allen Neuen Geistlichen Liedern des EG (Stammteil 68 Melodien, alle Regionalteile 186 Melodien) interessante Intonationen und Begleitsätze. Dabei ist der württembergische Regionalteil immerhin mit 66 Liedern vertreten (zusätzlich zu den 68 bearbeiteten Melodien des Stammteils).
Höchst interessant ist das Vorwort zu lesen. „Bei der Betrachtung des Liedschaffens seit 1950 fällt auf, dass sich zwar, [...], verschiedene Epochen ergeben, dass jedoch die Bezeichnung „NGL“ („Neues Geistliches Lied“) eine zu grobe und allgemeine Einteilung darstellt.“ Vor der Vergabe der Sätze an verschiedene KomponistInnen haben die Herausgeber deshalb eine detailliertere Einteilung der Melodien vorgenommen. Eine tabellarische Auflistung listet acht Kategorien auf (hier gekürzt): Choral neu (Choralmäßige Melodieführung; kein Groove, z.B. EG 170 „Komm, Herr, segne uns“ oder EGWü 548 „Kreuz, auf das ich schaue“), NGL I (neue melodische und/oder rhythmische Elemente, noch kein Groove, z.B. EG 287 „Singet dem Herrn ein neues Lied“), NGL II (geradzahlige Periodik, oft Strophe-Refrain, Gitarren-Schlagmuster möglich, Groove, z.B. EG 334 „Danke für diesen guten Morgen“), NGL-Kinderlied, Folklore (z.B. EGWü 656 „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“), African Song (EG 116 „Erstanden ist er, Halleluja“), Spiritual und Gospel.
Eigentlich müssten viele dieser Neuen Lieder nach Akkordsymbolen frei improvisiert gespielt werden. Da ein Begleitbuch aber selbstverständlich eine andere Zielgruppe hat als diejenigen, die Akkordsymbole ad hoc umsetzen können, ist das klassische Notenbild beibehalten. Daraus resultiert aber, dass die Begleitsätze nicht immer einfach sind und einer gründlichen Vorbereitung bedürfen. Hilfreich und wichtig sind deshalb die Tipps zur Spiel-Erleichterung
– durch Weglassen des Obligatspiels,
– durch Weglassen der Melodie, sofern die Gemeinde kräftig singt,
– indem die linke Hand das Pedal, die rechte den spielbaren Rest spielt,
– indem komplizierte Akkordstrukturen auf das Wesentliche reduziert werden und Akkordfolgen vereinfacht werden,
– indem der Satz auf ein Bicinium reduziert wird usw.
Außerdem betonen die Herausgeber auch den freien und kreativen Umgang mit den Sätzen und geben hierzu einige Tipps: Obligatspiel; bei gerade notierten Sätzen Swing ausprobieren; Intros selbst fortspinnen; Sätze auch als Zwischenspiel verwenden; unterschiedlich artikulieren; Melodie-, Tasten- und Rhythmusintrumente einbeziehen (hier liegen vielfältige neue Möglichkeiten und Chancen) usw.
Wie bei den gängigen Begleitbüchern gibt es zu jeder Melodie eine Intro (die in vielen Fällen stilistisch korrekt in das Lied einmündet), einen pedaliter A-Satz sowie einen manualiter B-Satz. Die B-Sätze sind oft nur mit wenigen Takten angedeutet. Das vorgegebene Pattern (Spielmuster) muss dann improvisatorisch ausgesetzt werden, was den freieren Umgang mit den Noten fordert und fördert. Wem dies nicht gelingt, kann viele A-Sätze mit etwas Vorbereitungszeit auch manualiter ausführen (siehe Spiel-Erleichterung). Die
B-Sätze sind oft eher für Klavier oder Keyboard bestimmt (was ja auch im Titel des Buches explizit gesagt wird), da der Tastenumfang der Orgel zum Teil deutlich unterschritten wird.
Die Sätze greifen die Stilistik des jeweiligen Liedes auf und führen die Begleitung konsequent durch. Entsprechend vielseitig sind die Begleitmuster, die anregen, diese auch auf andere Lieder anzuwenden. Gerade hier liegt unter anderem der Hauptnutzen für hauptberuflich tätige Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker (auch in der Organistenausbildung). EGWü 540 „Stern über Bethlehem“ gibt es beispielsweise sowohl in einer (wohl gebräuchlichen) Beat-Version als auch in einer Swing-Version, was dem Lied eine ungeahnte Leichtigkeit gibt. Auffallend sind auch die Ideen von Peter Wittrich, der zu einem Lied drei kurze Abschnitte als Vor- und Zwischenspiele (die man beliebig verwenden und wiederholen kann) und einen Schlussteil anbietet.
Viele Neue Lieder fordern das Obligatspiel auf zwei Manualen und Pedal, damit die Melodie vor dem Begleithintergrund deutlich hervortreten kann. Hierin und im rhythmischen Bereich liegen denn auch die Schwierigkeiten vieler Sätze. Linke Hand und Pedal müssen eben zuerst den rhythmischen und harmonischen Hintergrund gekonnt aufbauen, über den sich die Melodie dann „locker“ aufschwingen kann.
Dieser Groove muss erlernt werden (so man ihn noch nicht hat), ansonsten bleiben die Kompositionen spröde, eben ohne Groove. Dies kann zu Beginn eine Hürde darstellen, wird aber nach und nach sicherlich mit zunehmender stilistischer Vertrautheit belohnt werden. Wer hier anfänglich Schwierigkeiten hat, kann die Sätze aber mithilfe der Tipps zur Spiel-Erleichterung sicherlich bewältigen und sich allmählich in diesen stilistischen Bereich vortasten.
Am Schluss des Buches sind fünf Stil-Etüden von Matthias Nagel abgedruckt (Ballade, Beat, Latin, Swing und Foxtrott / Polka / Hora / Sirtaki), die zu eigenen Bearbeitungen anregen. Die Anordnung der Melodien folgt der Rubrizierung des EG.
Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis erleichtert das Auffinden der Lieder des eigenen Regionalteils.
Das neue Begleitbuch kann vor allem nebenamtlichen OrganistInnen, aber auch hauptamtlichen KollegInnen sehr empfohlen werden. Stefan Lust

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